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Warum am 1. Mai?

1. MAI 2020

Tag der Arbeit, Erstausgabe Schnabeldoktoren

Es ist Freitag und wir feiern den 1. Mai 2020.

Es ist ein seltsamer erster Mai, die Welt steckt in einer Pandemie, die eine Hälfte der Bevölkerung wird unruhig, weil sie das Eingesperrtsein nicht erträgt und die andere Hälfte der Bevölkerung ist eher vorsichtig abwartend und hegt insgeheim die Befürchtung, dass da noch ein böseres Ende nachkommen könnte.

Ein Impfstoff wird fieberhaft weltweit gesucht, man forscht und probt, doch Stand heute scheint die Situation noch anzudauern. 

Und mittendrin sollen die Menschen den ersten Mai feiern. Die Gewerkschaftstreuen können leider nicht auf ihre Aufmärsche gehen, die Feierlichkeiten allerorts fallen aus, politische Reden können virtuell geführt werden, aber ist das ein Ersatz? Vielleicht auch eine Chance, dass wir uns einmal besinnen, was tatsächlich am 1. Mai 1886 in Chicago passierte, als die Gewerkschaften zum organisierten Streik aufriefen mit der zentralen Forderung statt 12 nur noch acht Stunden zu arbeiten. Ungefähr 150 Jahre her, inzwischen ist der 8-Stunden-Tag Standard, zumindest bei uns. Was für eine gigantische Forderung, gemessen daran sind heutige Forderungen der Arbeitnehmer gelinde gesagt ein Witz. Dem Streik folgen damals nahezu eine halbe Million Menschen in den USA und die Miliz wurde umgehend in Bereitschaft versetzt, die Reichen und Schönen und die ganz schön Reichen hatten Angst um ihre Pfründe und reagierten mit Repressionen und Gewalt gegen die Proteste.

Am Abend des 1. Mai 1886 fand eine Arbeiterversammlung auf dem Haymarket in Chicago statt, Zeitungen wurden verteilt, Anarchisten hielten Reden, wenige Tage später eskalierte dann die Situation, die Polizei schritt ein, sechs Arbeiter wurden erschossen, darauf hin versammelten sich mehrere Tausend Streikende und marschierte zum Haymarket Square. Die Situation eskalierte am nächsten Tag, dem 4. Mai, als eine Bombe geworfen wurde, durch die zwölf Menschen starben. Die zentralen Redner der Kundgebung waren Anarchisten und damit war auch klar, dass ihnen die Hauptschuld an der Bombenexplosion angelastet wurde, auch wenn nie etwas bewiesen wurde und keiner den Täter erkannt hatte, richtete sich auf die die Hauptwut. Vielmehr argumentierte der Richter Joseph Gary, dass der Bombenwerfer auf Grund der Ideen der Männer gehandelt habe und diese damit ebenso schuldig seien, als hätten sie selbst den Anschlag verübt. August Spies, Albert ParsonsGeorge Engel und Adolph Fischer wurden erhängtLouis Lingg beging in seiner Zelle Selbstmord mit einer geschmuggelten Stange Dynamit, durch die er sich selbst enthauptete (eine Quelle spricht von einer Revolverpatrone, die, zwischen die Zähne geklemmt, mit einer Kerze zur Explosion gebracht wurde). Oscar Neebe wurde zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt. Die Todesurteile gegen Michael Schwab und Samuel Fielden wurden von Gouverneur Richard James Oglesby nach dem Gnadenrecht in lebenslange Haft umgewandelt.

Die Verurteilungen führten zu einem Aufschrei in internationalen Arbeiterkreisen und zu Protesten rund um die Welt. Zu den Unterstützern des Protestes gehörten unter anderem George Bernard ShawWilliam Morris und Peter Kropotkin. 25.000 Menschen nahmen in Chicago an der Beerdigung der Hingerichteten teil.

All das ist nachzulesen in unterschiedlichen Quellen, frei zugänglich und dennoch leider oft vergessen.

Die Initiatoren der Streiks, die Redner, die Aktivisten, sie alle traten ein für eine Verbesserung ihrer Welt, ausgehend von ihrer Arbeitswelt, doch die wenigsten wollten ihre Ideen darauf beschränkt sehen. In Erinnerung an diese Menschen, den bekannten und unbekannten, Frauen und Männer, haben wir Schnabeldoktoren uns entschlossen, unsere Erstausgabe an diesem ersten Mai 2020 zu veröffentlichen. Wir stehen erst am Anfang unseres Blogs, wir arbeiten noch an der Verbreitung unserer Ideen, wir sehen uns aber auch in der Tradition der Männer wie August Spies, in Kassel geboren, als Sohn eines Försters wanderte er mit 17 Jahren in die USA aus, begann sich irgendwann für die Arbeiterbewegung zu interessieren, 1880 brachte er als Herausgeber und Geschäftsführer die örtliche Arbeiterzeitung heraus. Durch all die Erlebnisse und Erfahrungen entwickelte er revolutionär-anarchistische Tendenzen, verwickelt in die Haymarket-Rebellion führte dies final zu seiner Exekution als einem der Rädelsführer.

140 Jahre nach Spies Arbeiterzeitung gibt es nun unseren Blog mit vielen unterschiedlichen Themen, nicht auf Papier, sondern im Netz. Nicht begrenzt auf Themen der Arbeitswelt, sondern unser zentrales Thema ist und bleibt das Klima und die damit zusammenhängende Krise. Warum? All die anderen Probleme werden zweitrangig, egal worum es sich auch handelt. Wenn wir als Menschheit gemeinsam die Klima-Krise nicht in den Griff bekommen, kippt das gesamte System, das wir als Lebensgrundlage benötigen. Das ist auch keine Schwarzmalerei, oder Spekulation, das sind wissenschaftliche Fakten.

Dennoch sind alle anderen Themen der Gewerkschaften, Naturschutzverbände, politische Parteien, etc. nicht UNWICHTIG, aber sie müssen der großen Thematik untergeordnet werden. Auch wenn wir kein einziges dieser Themen vergessen dürfen, doch KÜMMERN müssen wir uns vorrangig um das Klima.

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Haymarket_Riot