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Ein Experiment​

Ein Experiment​

Das ist so eine Sache mit der Kunst.

Wenn es doch eigentlich um das zentrale Thema, unser Klima, gehen sollte. Aber der Bogen ist leicht zu spannen, ins besondere in diesen verrückten Corona-Zeiten. Ich habe mir schon immer in meinen Endzeit-Phantasien eine Welt zusammen gesponnen, wie sie denn aussehen würde, wenn das Klima wirklich kippt, wenn wir als Menschheit keinen Weg finden aus dieser Misere irgendwie raus zu kommen.
Wenn wir weiter so machen mit unserem Kapitalismus, dem „business as usual“, dann ist die jetzige Zeit der Corona-Quarantäne vielleicht nur ein kleiner Ausblick auf das, was uns droht, wenn weltweit das Klima kippen sollte. Wir bleiben jetzt Zuhause, damit wir weder uns, noch die Risikogruppen anstecken, wir werden nach dem Klimakollaps Zuhause bleiben müssen, weil es draußen zu heiß ist, die UV-Strahlung uns schädigt, und ganz ehrlich: Der Mangel an Klopapier wird dann unser kleinstes Problem sein.

Wie also sieht eine Welt im Home-Office aus?
Wie stillen wir unseren Hunger nach Kunst und Zerstreuung? Wie halten wir das am Laufen, was uns als Menschen ausmacht? Damit meine ich nicht die wirtschaftlichen Notwendigkeiten, sondern Dichtung, Kunst, Musik, etc..

Vor allem die bildenden Künste haben es mir dabei angetan. Man muss sie sehen, fühlen, riechen gar, um sie zu begreifen. Man braucht Zeit dafür, muss sich einlasen auf eine andere, womöglich vollkommen fremde Gedankenwelt. Nichts leichter als das: Auf das Rad geschwungen, die Federn geplustert, weil es noch ein wenig kalt ist und ab ins Städtische Museum. Hmmm… Moment, da war doch was …

Mist, alles zu, verrammelt, keine Besuche möglich.

Also doch wieder nach Hause in die Quarantäne und die alten Bücher wälzen, jene alten Schinken mit den Hochglanzdarstellungen der Bildenden Kunst? Kann man machen, ist aber sehr frustrierend und eigentlich nur dann sinnvoll, wenn man die Werke in natura tatsächlich bereits gesehen hat. Nun will man aber doch eigentlich Neues entdecken, sich verzaubern lassen, entführen aus der schnöden Welt.

Zum Glück gibt es das Internet und mannigfaltige Möglichkeiten, sich dort dem informativen Müßiggang hinzugeben, auch was die Kunst betrifft. Es ist sogar möglich eine nicht geringe Anzahl von Museen virtuell zu besuchen.

Genau das werde ich heute machen, einen Anfang mache ich im British Museum (https://britishmuseum.withgoogle.com/), kleine Einfühung und schon kann es losgehen mit einer 3D-Darstellung in einer Zeitschiene, ich entscheide mich für Europa und bin gespannt. Da mein Interesse schon seit immer im 16. Jahrhundert mit all den Wirrrungen der Bauernkriege und Aufstände liegt, klicke ich mich ein wenig durch, bin dann aber ein wenig enttäuscht, nur Münzen, Krüge, Siegel. Ist mir zu wenig auf die Dauer, auch wenn die Beschreibungen sehr aufschluss- und lehrreich sind. Dann fällt mir auf: Völkerkunde-Museum.

Kein Wunder finde ich hier keine Bildende Kunst, also weiter auf der virtuellen Wanderschaft:

Rijksmuseum, Amsterdam

Hier kommen wir der Sache schon näher, vielleicht auch deshalb, weil ich tatsächlich schon mal dort war. Alles zu finden: Van Gogh, Rembrandt, Waterloo, you name it. Aber irgendwas fehlt mir, ich bin aber noch nicht sicher, was es eigentlich ist. Vielleicht sind die alten Schinken bereits zu klassisch, als dass man sich selbständig Interpretationen zutraut, denn gemeinhin fällt es schwer sich eine eigene Meinung zu bilden, wenn schon gefühlt Millionen andere Menschen ihren Senf zu einem Werk abgegeben haben.

Aber weiter geht meine Reise, ich wechsle den Kontinent:
Mexiko, Museo Frida Kahlo, ebenfalls mit Google zu besuchen. Bunt, farbenfroh und sicherlich einladend zum Verweilen. Da sie wie ich ursprünglich aus Pforzheim kommt, ist auch gleich eine seltsame Nähe da, die ich bei anderen Malern nicht verspüre. Seltsamerweise fühlt man sich auf Grund der gemeinsamen Herkunft enger verbündet, auch wenn es dafür keine vernünftige Erklärung gibt. „Viva la Vida“, die grünen Melonen mit ihrem unglaublichen Rot, die Übersetzung ist nicht ganz einfach: „Es lebe das Leben“ bzw. „Das Leben leben“ – und das geschrieben wenige Tage vor ihrem Tod, das hat was Magisches. Ihr bemerkt: auch der virtuelle Museums-Besuch zeigt bereits seine Wirkung.

Wenn man sich ein klein wenig Mühe gibt, kann man sich tage-, gar wochenlang auf Entdeckungs-Tour durch die Museen der Welt machen. Ich hoffe nicht, dass das in Zukunft die einzige Möglichkeit sein wird, wir Menschen brauchen Museen, brauchen das Haptische, das Erleben der Bilder, Skulpturen, Installationen. Wir brauchen das Erlebnis der Konzerte, den Kontakt zu Menschen. Die virtuelle Welt ist mal ganz nett, wir können so auch Dinge vortesten, aber wenn ich ehrlich sein soll: Ich will vor einem Gemälde stehen und mich darin verlieren können. Ich will auch richtige Menschen treffen und sie nicht nur in Video-Konferenzen sehen.

Zum Schluss aber dennoch ein weiterer virtueller Tipp, sogar mit Audio, Erklärungen und allem Drum und Dran. Vor allem für die Freunde der Seefahrt und der Meere ein Augen- und Ohrenschmaus:

Das Deutsche Museum in München (https://digital.deutsches-museum.de/virtuell/ )

Weitere Quellen:
https://www.geo.de/reisen/reisewissen/22736-rtkl-coronakrise-diese-museen-koennen-sie-virtuell-besuchen