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Ignoranz ist heilbar

Ignoranz ist heilbar

Der geneigte Leser dürfte sich bei den folgenden Zeilen persönlich angesprochen fühlen oder seine Gefühle verletzt sehen. Hierbei sei erwähnt, dass dies nicht im Sinne des Autors ist. Dieser Text ist als zynisch-satirisches Werkzeug in Argumentationen zu verstehen. Ich hoffe, mein Bestreben wird nicht missverstanden.

Im Alltag trifft man sie überall. Dort ein laufender Motor, hier die weggeschnickte Zigarette, im Supermarkt eine Person mit Maske auf Kuschelkurs. Die Möglichkeiten der menschlichen Ignoranz aufzuzählen, sprengt hier sicherlich den Rahmen. Wir regen uns auf und tragen den Groll für vielleicht sogar den Rest des Tages mit uns herum oder gehen direkt auf den Täter zu und fangen eine völlig sinnlose Auseinandersetzung an. Selbstverständlich unter der Prämisse, der angesprochene sei sich der folgenden Worte bewusst:
Ignoranz ist heilbar
Wenn ich also den völlig ahnungslosen Menschen anbrülle, wie er es wagen kann, im Halteverbot entgegen der Fahrtrichtung mit seiner blechgewordenen Schwanzverlängerung auf einem Behindertenparkplatz stehend „nur mal eben zum Kippenholen“ den Motor laufen zu lassen, gehe ich von einer Situation aus, die seit Milliarden von Jahren durch mein Verständnis von „Survival of the fittest“ auf diesem Planeten ausgelebt wurde:
Das Gegenüber ist lernfähig.
Sollte man meinen! In den meisten Fällen habe ich allerdings die Erkenntnis erlangt, dass dem wohl nicht so ist, da weder Lernwille noch Reumut gezeigt wird. Dieses Verhalten steht selbstverständlich in keinem Zusammenhang mit der Art der Informationsübertragung meinerseits, wenn ich hysterisch über den ganzen Platz brülle, dass „sein/ihr verschissener Schlitten von der Größe eines Viehtransporters sich einen vernünftigeren Abstellplatz aussuchen solle.“ Hierbei nicht unerwähnt bleibt auch, dass der eben erwähnte Tiertransporter bereits vom Rindvieh gelenkt wird. Selbstredend ist dem verblüfften und bisher lediglich mit sich selbst beschäftigen Ignoranten weitergeholfen, wenn man seine Entscheidungen, seine Lebensweise sowie seine Penisgröße (oder vergleichbare weibliche Merkmale) ohne Einleitung oder Erklärung in Frage stellt.
Nach einigen Fehlversuchen ist mir dann aufgefallen, dass auch ich einst wie selbstverständlich über das Erdenrund schritt, mit einer Einstellung eines Halbgottes. Der Luxus des Hinterfragens der eigenen Erkenntnis ist vielleicht recht selten, aber wenn es auch mich getroffen hat, kann es nicht so schlimm sein.
Nur wann tritt diese lebensverändernde Erkenntnis ein? Wie wichtig ist einem Selbst dann das Wissen um die eigene Verantwortung?
Wenn man sich die Welt so anschaut, muss dieses Phänomen allerdings wirklich rar gesät sein und ich wahrhaftig den meisten Menschen in meiner Nutzung der grauen Masse zwischen den Ohren weit überlegen bin. Ja, das muss es sein, Man möge mich in Zukunft mit Herrgott Niko ansprechen! Dieses neu entdeckte Naturgesetz anzuzweifeln, möge ohne Verhandlung mit Enthauptung bestraft werden!
Richtig! Genau so wird man die Ignoranz los! Mit der eigenen Ignoranz gegenüber jeder Facette eines jeden Individuums! Vielleicht wäre es angebracht, anstatt die eigene Ignoranz in pathologische Höhen zu treiben, den Leuten um uns herum die Möglichkeit zu geben, die Folgen der eigenen Handlung zu verstehen? Ein Anreichern von Wissen und Verantwortung würde uns alle zu einer besseren Gesellschaft verhelfen, so mein naiver Grundgedanke. Aber so utopisch finde ich das gar nicht. Die Neue Rechte verhilft sich beispielswese auch weiter zu einem steten Nachschub an fehlgeleiteten Jüngern, mithilfe von schlau verteilten Falschmeldungen und manipulativen Verschwurbelungen[1].
Mit etwas Vergleichbarem sollte dem oben genannten Ignoranten doch beizukommen sein, dachte ich mir. Was wäre eine Möglichkeit, die Ignoranz direkt zu bekämpfen? Quasi eine Behandlung der Pandemie Dummheit. Selbstverständlich ist es nicht möglich, etwas Unendliches zu mindern. Das heißt aber nicht, dass wir keine Versuche starten können, ihre Ausbreitung zu begrenzen. Die Durchseuchung ist vor Jahrhunderten bereits erfolgt und hat sich seitdem hartnäckig gehalten. Eine Spurensuche scheint mir persönlich zu komplex und zeitaufwändig, wenn sich aber ein Leser dieser Zeilen darum bemühen möchte, wäre ich über eine Kontaktaufnahme froh.
Aber zurück zu meinem Versuch der Einschränkung der Ingoranzia. Als ersten Ansatz empfehle ich als Schnabeldoktor hiermit eine tägliche Einnahme von Wissen in signifikanten Dosen. Hierbei sei erwähnt, dass eine homöopathische Dosis dringend auszuschließen ist, da dies dem oben genannten ignoranten Verhalten gleichkommt. Wer wiederum zu viel Zeit in Form mit auditiver sowie visueller Wissensvermittlung verbringt, schadet sich anscheinend auch. Dies führt wohl zu Depressionen und dem sogenannten Gemeine-Welt-Syndrom[2]. Ich für meinen Teil habe mir zwar eine gewisse Resistenz gegenüber einer hohen Tagesdosis angeeignet, allerdings ist diese Menge für ein/e Anfänger/in nicht empfehlenswert.
Somit verschreibe ich hiermit bei beginnender Ignoranz eine tägliche Dosis Wissen, ca. 10 Minuten lang eingeführt. Dabei spielt es keine Rolle, um welches Wissen es sich handelt, sofern dabei etwas gelernt wird und es sich nicht um sogenannte Placebos (Theologische und Homöopathische Inhalte) oder Generika (Falschmeldungen und Halbwahrheiten) handelt. Vertrauensvolle Pharmazeutika erhält man an zahlreichen Stellen. Zur Abklärung der Verträglichkeit, empfiehlt sich ein Blick auf die einschlägigen Portale wie mimikama[3], Volksverpetzer[4], Psiram[5], correctiv[6] oder klimafakten[7]. Mehr hierzu in den Quellen, siehe unten. Bei einer täglichen Dosis von lediglich 10 Minuten sollte man davon ausgehen, dass Besserung innerhalb von nur wenigen Monaten eintritt. Die beste Wirkung hat sich eingestellt, wenn man seine Ignoranz breitflächig behandelt. Quellenverfolgung und Querverweise sollten hierbei auf keinen Fall außer Acht gelassen werden. Sonst könnte eine einseitige Wissensvermittlung zu einer sogenannten Fachidiotie führen. Und die ist bekanntermaßen ansteckend. So sollten also viele Themengebiete abgedeckt werden. Bei 7 Tagen die Woche wären hierbei also 7 Themenkomplexe im monatlichen Wechsel empfehlenswert, bis sich eine Mindestmenge an Wissen angereichert hat. Bei Anreicherung können sowohl Einnahmezeiten als auch Anzahl der Themenkomplexe erhöht werden.

Ich wünsche gute Besserung.

Wenn das mal nicht ignorant war, weiß ich auch nicht mehr.