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Covid-19 – Nur eine von Vielen

Covid-19 - Nur eine von Vielen

SARS-CoV-2
Bild: NIAID
Lizenz: CC BY 2.0

Covid-19 ist schon ein ganz spezieller Weggefährte. Wir sitzen einerseits zu Hause rum und gehen uns entweder gefühlt gegenseitig an die Gurgel, oder vermissen jene Partner, die nicht in das zweifelhafte Vergnügen kamen, mit uns „eingeschlossen“ worden zu sein. Ausnahmen bestätigen hier natürlich die Regel. Andererseits ist es „doch eh irgendwie ausgestanden… Höchste Zeit, die Saunas, Kinos und Puffs wieder aufzumachen!“

Unabhängig von den Hygiene-Widerständlern und semiprofessionellen Schwurblern, die ja medial ganz schön an Fahrt aufnehmen, gilt es doch, besonders als Andenken an die vielen Verstorbenen, zu versuchen, etwas aus dieser Situation zu lernen. Viele von uns haben in den letzten Wochen mitbekommen, dass wir auf keinen Fall zu einem „Vorher“ (der globale Zustand vor der Corona-Pandemie) zurückkehren dürfen. Ganz besonders im Hinblick auf die Klimakatastrophe. Welches Vorher sollen wir eigentlich vermeiden? Ich möchte mich hiermit, auf etwas ganz besonders wichtiges konzentrieren:
Die Ursache von SARS-CoV-2 und anderen Zoonosen

Wir kommen nicht jeden Tag in die luxuriöse Zeit, Abstand von unserem Alltag zu gewinnen und uns fragen zu können, was wir hier eigentlich tun. Dieser einzigartige Moment erreicht aktuell ganz besonders viele Menschen. Covid-19 hat das ermöglicht. So ereilte dieser Moment auch mich, als ich mich mal wieder mit einem ganz besonders ekelhaften Auswuchs der industriellen Massentierhaltung auseinandersetzte. (Nicht, dass der Skandal dahinter nicht schon wieder 5 Jahre alt ist und sich seitdem nicht viel getan hat…)

Da werden zur planbaren und gleichzeitigen Besamung von Sauen, die eigentlich noch nicht geschlechtsreif sind, um den Aufwand der Abferkelung für den verantwortlichen Konzern „zu vereinfachen“, Hormone verabreicht, um künstlich einen Eisprung herbeizuführen. Soweit so gewöhnlich.

Kastenstand Schweinezcucht
Bild: Farm Watch
Lizenz: CC BY 2.0

Dieses Hormon heißt PMSG (Pregnant Mare Serum Gonadotropin) und wird aus geschwängerten Pferdestuten gewonnen, indem man ihnen während der Schwangerschaft Blut abzapft. Die Stuten werden natürlich für diese Prozedur auch besamt. In Argentinien, wohin die Produktion ausgelagert wurde, um Tierschutzgesetze zu umgehen, werden hierfür den Stuten jeweils bis zu 10 Liter Blut pro Woche abgenommen, was die Tiere sehr schwächt, zu Fehlgeburten und zum Tode führen kann. Aber der Fötus ist ja sowieso unerwünscht, da dieses Hormon nicht die ganze Schwangerschaft über produziert wird. So wird also, falls der Fötus es wagen sollte, diese Prozedur zu überleben, mit der Hand der Fötus ohne Betäubung oder irgendwelche medizinische Assistenz hinausgerissen, oder das Tier wird so lange mit Stöcken geschlagen und getreten, bis sie ihren „Abfall“ endlich freigibt. So steht einer weiteren Besamungs- und Abpump-Phase endlich nichts mehr im Weg! Falls das gequälte und völlig erschöpfte Geschöpf nach wenigen Zyklen einfach nicht mehr kann, kommt es halt auf den Teller.

Die Sauen werden nach erstmaliger Behandlung des Hormons „abgeferkelt“ und gleich wieder mit besagtem Hormon behandelt, so dass sie nur 24 Stunden nach der Geburt erneut geschwängert werden können. So sind sie, während sie aktuell in Kastenständen liegen und ihre unnatürlich hohe Anzahl an Ferkeln säugen, auch gleichzeitig wieder trächtig. Die höhere Anzahl der Ferkel ist ein Effekt des besagten Pferdehormons auf die Sauen, da mehr Eier in die Gebärmutter gelangen. Dies führt auch zu einer höheren Wahrscheinlichkeit von Fehlgeburten. Seit dem Skandal hierüber im Jahr 2015 haben sich mehrere deutsche Tier-Pharmakologie Konzerne andere Quellen für das PSMG-Hormon gesucht, die Prozedur bleibt aber, abgesehen von der Gewalt vielleicht, die gleiche pervertierte Scheiße.

Im Allgemeinen ist die heutige Verfahrensweise mit lebenden Ressourcen derart pervertiert, dass eine Pandemie wie SARS-Cov-2 nur eine Frage der Zeit war, so wie die nächste auch bereits zu erwarten ist. Zitieren ließen sich hier viele Experten, da aber gerade die Virologen trenden, wähle ich hier Prof. Dr. Christian Drosten:
Fleisch hängt von der Decke
Bild: Watershed Post
Lizenz: CC BY 2.0
Der aktuelle Grund sollte jetzt sehr überzeugend sein, notwendige Veränderungen in Angriff zu nehmen. […] Das Problem ist der Fleischhunger in der sich ausweitenden Gesellschaft.“ Professor Drosten möge mir bitte verzeihen, falls ich ihn hier falsch interpretiere, aber ich verstehe „die ausweitende Gesellschaft“ nicht im Kontext des Bevölkerungswachstums, sondern im steigenden Konsum von Fleisch und tierischen Produkten.

Die Produktion von tierischen Produkten nimmt weiter zu, während die Anzahl der Betriebe enorm abgenommen hat. Somit wird der Druck, die Bevölkerung zu ernähren, auf wenige, riesige Betriebe konzentriert. Dies führt zu dem Zwang der ökonomischen Optimierungen über alle tierschutzrechtlichen Maße hinaus. Die Tiere nicht als bloße Ressourcen zu sehen, sondern als empfindungsfähige Lebewesen, deren inhumane Behandlung auf uns als Spezies zurückfällt, führt nicht zu Wachstum, Profit und Marktanteilen. Überzüchtung, Entsorgung unerwünschter Nachkommen, pervertierte Hormonbehandlungen sind hier nur kleine Beispiele eines Systems, das denjenigen belohnt, der seine Lebendressourcen am besten an seinen Wachstumszwang koppeln kann. Somit sind die Kükenschredder-Industrie, zeitlich genau abgestimmte Massenabferkelungen, interkontinentale Schlachttransporte, und viele grausame Punkte mehr, die zum Erfolg gegenüber der Konkurrenz führen, sofern diese Betriebe nicht nachziehen. Dabei wird diese ganze unmenschliche Struktur vom Gesetzgeber subventionell noch mitgetragen. Einer Kuh, die ein besonders soziales Tier ist, ihr Kalb wegzunehmen, damit wir ihre festgequirlte Muttermilch beispielsweise in einer Sahnetorte genießen können, wird mit 7% Mehrwert besteuert, während eine Milch aus Getreide, Nüssen, Kernen oder anderen Pflanzen mit 19% als Luxusgut gilt. Das oben erwähnte Kalb ist hierbei entweder männlich und wird nach 6 Monaten geschlachtet, oder es ist weiblich und wird genauso wie ihre Mutter mit Wachstums- und Sexualhormonen behandelt, damit es so schnell wie möglich in eine Besamungsstation gepackt werden kann. Diese Industrie macht hierbei auch nicht vor der eigenen Spezies halt. Nein, ich meine nicht Hannibal Lecter, sondern die Mitarbeiter in den industriellen Einrichtungen, wie Schlachthöfen, sowie die Bauern, die tagtäglich alles geben, um über die Runden zu kommen. Und dabei in prekären Beschäftigungssituationen unterhalb des Mindestlohns vergütet werden und in Wohnheimen ähnlich zusammengepfercht werden, wir das Nutzvieh, das sie täglich töten und zerschneiden.

A propos zusammengepfercht: Wir sollten uns während der letzten Monate zu Hause aufhalten, damit wir einander ja nicht zu nahe kommen, während wir das Nutzvieh so eng wie möglich zusammenpferchen. Dieser enge Kontakt führt zu einer wachsenden Gefahr. Denn je mehr Tiere (und Menschen) auf engstem Raum eingepfercht werden, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit eines Übersprungs einer Krankheit vom Tier auf den Menschen. Beispiele hierfür sind Krankheiten wie die Pest, HIV, Masern, FSME, Tollwut, die Spanische Grippe, das Hantavirus, SARS, MERS, Ebola, die Vogel- & Schweinegrippen und viele mehr. Die Liste könnte vermutlich noch lange weitergehen. Fast 70% unserer Infektionskrankheiten gehen auf den engen Kontakt mit Tieren zurück! Beispielsweise wurde das Corona-Virus Ebola von Flughunden über einen Zwischenwirt auf den Menschen übertragen. Durch die hohe Mutationsrate bei Viren, ganz besonders bei Fledermäusen und ihren Verwandten, entsteht ein hohes Risiko für den Menschen, der mit diesen Tieren in Kontakt kommt, sich anzustecken. Wenn das Virus dann zufällig auf die Wirtszelle passt und seine RNA einleiten kann, besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit darin, dass dieser Mensch ansteckend und gefährlich für die gesamte Zivilisation ist. Da hilft es ganz besonders, dass Tiermärkte in China bunt gemischt sind. Da tummeln sich vom Aussterben bedrohte Tierarten, neben überzüchtetem Nutzvieh und Wildfang aus aller Welt.

Wuhan, China
Bild: Jiaxuan
Lizenz: CC BY 2.0
Man darf dabei auch nicht den aktuellen Superstar vergessen: SARS-Cov-2 kann auf so einen Tiermarkt in Wuhan in China zurückgeführt werden. Allerdings ist es nicht ganz klar, ob der Übersprung dort stattfand, oder der Virus von einem sogenannten Patienten 0 auf den besagten Tiermarkt in Wuhan gebracht wurde, weil er nun mal sein Geld mit dem Tierhandel verdient. Professor Drosten geht übrigens von Letzterem aus.

Aber wir dürfen hierbei nicht nur mit dem Finger auf andere zeigen. In Deutschland verballern wir jedes Jahr unfassbare Mengen an Antibiotika, weil wir unsere Tiere so eng wie möglich zusammenpferchen und somit ideale Brutbedingungen für Krankheiten schaffen. Dass die Bakterien, die wir mit Antibiotika bekämpfen, mit der Zeit dagegen resistent werden, dürften wohl schon die meisten mitbekommen haben. Dass uns hingegen die Antibiotika-Varianten ausgehen, ist nicht ganz so bekannt. Wenn wir bakterielle Infektionen nicht mehr bekämpfen können, weil „das Steak zu gut schmeckt“, ist das die ultimative Form der Ignoranz. Wir würden uns in eine Zeit vor der Entdeckung von Penizillin zurückversetzt sehen. Ein Schnitt oder ein aufgeschürftes Knie könnte somit wieder zu einer tödlichen Infektion führen. Eine globale Katastrophe ungeahnten Ausmaßes rollt hier auf uns zu, wenn wir nicht schnellstens etwas an unserer Lebensweise ändern. Mutierte Superkeime, gegen die nichts mehr hilft, würden sich, wie gerade bei SARS-CoV-2 zu sehen, innerhalb von wenigen Wochen global ausbreiten und zu ungeahntem Schaden führen.

Hinzu kommt die steigende Nachfrage tierischer Produkte im globalen Schnitt. Deutschland nimmt zwar bei der Nachfrage weiter langsam ab, aber die Globalisierung führt zu einer fleischhungrigen Bevölkerung in asiatischen Ländern. Dieser Kontinent beherbergt mehrere Milliarden Menschen. Wenn ihnen der Zugang zu tierischen Produkten im großen Stil ermöglicht werden sollte, birgt das schreckliches Potential nach hinten loszugehen.

Hühnerqual
Bild: Farm Sanctuary
Lizenz: CC BY 2.0
Die Tierproduktion in Deutschland nimmt übrigens weiter zu, obwohl der Bedarf sinkt! Es wird also einfach mehr exportiert oder sogar vernichtet, sodass weiter die Subventionsbedingungen erfüllt werden können!

Die fünf weltgrößten Fleisch- und Molkereikonzerne sind zusammen für mehr Treibhausgas-Emissionen verantwortlich als jeweils die drei größten Ölkonzerne, ExxonMobil, Shell und BP.

bento           

Wir verspeisen also die Zukunft unserer Kinder und Enkel. Wenn der Genuss des Einzelnen so wichtig ist, dass trotz zahlreicher, leckerer und gesunder Alternativen, unverständlicherweise Tierleid oder die Gefahr vor tödlichen Krankheiten nicht ausreichen, ein Umdenken herbeizuführen, dann sollte spätestens der Ausblick eines zivilisatorischen Ruins zu denken geben.
Hierzu schreibt vegan.at: „Acht internationale Fachgesellschaften vertreten heute den Standpunkt, dass eine gut geplante vegane Ernährung für Erwachsene, Schwangere, Stillende, Säuglinge, Kinder, Jugendliche und ältere Menschen geeignet ist. Zu ihnen zählen die Academy of Nutrition and Dietetics (USA), die American Academy of Pediatrics (USA), die British Nutrition Foundation (Großbritannien), die Canadian Paediatric Society (Kanada), die Dietitians of Canada (Kanada), das National Health and Medical Research Council (Australien), das Directorate General of Health (Portugal) und das Nordic Council of Ministers (Dänemark, Finnland, Island, Norwegen, Schweden, Färöer-Inseln, Grönland und Âland). Gemeinsam vertreten die Organisationen 13 verschiedene Staaten. Sie sagen, eine vegane Ernährung ist gesund und kann dabei helfen das Risiko für Übergewicht, Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes oder bestimmte Krebsarten zu senken. Zusätzlich betreiben Veganer_innen aktiven Umweltschutz. Wenn sich die Welt morgen pflanzlich ernähren wurde, könnte die Klimabelastung durch Lebensmittel auf die Hälfte reduziert werden.“ Dem ist nur noch eine Kleinigkeit hinzuzufügen:
Guten Appetit, auch unseren Nachkommen!